Regierungsfotografie und Wirklichkeit – Soziale Gebrauchsweisen und Selbstdarstellung in der Propaganda der Bundesregierung

Wir haben gelernt, daß politische Bilder alles sollen – nur nicht die Wirklichkeit zeigen.

Hillarys Hand des Fotografen Pete Souza ist dafür ein mittlerweile wunderbar untersuchtes und belegtes Beispiel und läßt Rückschlüsse auf andere Fotos zu.

Daher stelle ich mir die Frage, wie das denn in Deutschland ist?

Wir merken ja, daß es fast keine Fotos mehr in den Medien gibt, die reale politische Situationen aus dem Regierungsgeschäft zeigen.

Es geht eher um das nicht mehr zeigen.

Einen ersten Hinweis fand ich dann im fotomagazin Heft 12/2014.

Dort ist ein Artikel über den „Regierungsfotograf“ Steffen Kugler zu finden.

Und er wird mit den Worten zitiert: „Ich möchte so fotografieren, dass die Leute in 20 Jahren eine Vorstellung haben, wie das war.“

Hmmm.

Wenn man mal voraussetzt, daß nichts wegretuschiert wird, dann wäre die erste Frage  die nach der Authentizität der dargestellten Situation.

Wo ist der Mann bei und was nimmt er überhaupt auf?

Darf er sich frei bewegen?

Er ist eben kein Journalist, der entdecken soll.

Er ist  „Regierungsfotograf“.

Laut Zeitungsartikel hat er gesagt: „Ich will den Blick hinter die Kulissen freilegen.“

Was kriegen wir denn davon zu sehen, würde ich nun weiter fragen?

Tja.

Da wird dann auf die Bundesbildstelle verwiesen.

Da lesen wir dann folgendes:

„Die Bundesbildstelle im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) hat die Aufgabe, Bildmaterial zu den politischen Aktivitäten der Bundeskanzler, der Bundesminister sowie des Bundespräsidenten, für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung zur Verfügung zu stellen.

Das Bildarchiv der Bundesbildstelle umfasst ca. zwei Millionen Fotos. Das Archiv wird durch die Arbeit der offiziellen Fotografen des BPA kontinuierlich erweitert. Diese dokumentieren pro Jahr ca. 1.200 politische Ereignisse, wie Staatsbesuche, Vertragsunterzeichnungen und Festakte, fotografisch.“

Es geht also um Propaganda.

Damit wäre das auch geklärt und nun wissen wir, wo wir die offiziellen Propagandafotos der Bundesregierung finden.

Heute spricht man natürlich nicht mehr von Propaganda sondern von „Bildmaterial zu den politischen Aktivitäten von …“.

Hört sich irgendwie nicht so deutlich an.

Meint aber Regierungs-PR.

PR hieß früher Propaganda und heute Public Relations.

Ist aber identisch.

Nun gut!

Nach diesem ersten kritischen Blick möchte ich nun etwas anderes in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit richten.

Denn die Fotos in der Bundesbildstelle sind ein wunderbarer Beleg für die sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie durch die politisch Mächtigen.

Ich gehe davon aus, daß nur das freigegeben wurde, was erlaubt war.

Deshalb sind sie auch ein Blick auf die visuelle Propaganda bzw. PR-Maschine und sie zeigen wie Propaganda funktioniert und wie zeitabhängig ihre Themen sind.

  • Das Foto von Udo Jürgens im Wohnzimmer von Kurt Georg Kiesinger ist so ein Fall von früher. Man schmückt sich mit den prominenten Massenidolen.
  • Das kennen wir auch vom Fußball, wenn KanzlerInnen die Umkleidekabine der Nationalmannschaft besuchen und die Fotos danach die Presse fülllen.

Ein bemerkenswertes Detail betrifft die Frage der Nutzung.

Obwohl dies alles aus Steuergeldern bezahlt wird, darf man die Fotos fast alle nur nutzen, wenn man dafür bezahlt.

Stop!!! Das stimmt nicht so ganz wie ich festgestellt habe.

Auf flickr gibt es frei nutzbare Merkel-Fotos und die sollte man sich doch mal anschauen.

Dabei sehe ich, daß es neben Steffen Kugler auch noch die Namen Guido Bergmann und Sandra Steins als Fotografen gibt.

Und diese sind vielfältig tätig.

Man findet noch mehr Namen von Fotografen, aber nicht alle scheinen angestellt zu sein.

Sie liefern uns direkt und indirekt eine wunderbare fortlaufende Sammlung vom Selbstbild der politisch herrschenden Klasse in Deutschland, zumindest von dem Teil, der durch das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung vertreten wird.

Die politisch-sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie werden hier direkt eingesetzt und die Botschaften darin sind je nach Situation eindeutig.

Es ist daher eine wunderbare Sammlung visueller politischer Propaganda.

Insofern lohnen sich ab und zu vertiefende Blicke darauf, weil man dann sofort sieht wie Propaganda wirken soll und kann.

Daneben gibt es Regierungsfotografen oder Auftragsfotografen für Regierungen auch für einzelne Bundesländer. Das kann ich aber nicht im Einzelnen beurteilen. Man kann aber mal einen Blick drauf werfen, wie hier für Sachsen.

Nachtrag:

Als ob sie das hier gelesen hätten. Einige Zeit nach dem Erscheinen dieses Artikels ist nun Instagram hinzugekommen. Nun finden wir dort von den offiziellen Fotografen offizielle Fotos.

 

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