Weihnachten ist pure Politik:

„Von alters her hatte der 25. Dezember eine herausragende Bedeutung. So galt er in den antiken Kulturen als Tag der Sonnenwende: Im vorderasiatischen Mithraskult wurde an diesem Tag die Geburt des indischen Lichtgottes gefeiert. Bei den alten Ägyptern hingegen wurde mit dem Isiskult die Geburt des Horus auf diesen Tag gelegt. Auch die feierlichen Sarturnalien zu Ehren des Gottes Saturn, des unbesiegbaren Sonnengottes, fanden bei den Römern an diesem Tag statt. Und schließlich feierten die Germanen im norddeutschen Raum bis hoch nach Skandinavien ihr Mittwinterfest oder Julfest, welches zugleich ein Toten- und Fruchtbarkeitsfest war, an eben diesem Tag.
Bereits im Jahr 217 versuchte Papst Hyppolit all diese Kulte, die mit großem Aufwand gefeiert wurden, dadurch zu beseitigen, dass er das Fest der Geburt Jesu Christi auf den 25. Dezember verlegte. Hierzu übertrug man auch die Lichtmetaphorik auf Jesus Christus, denn schon das Alte Testament betitelte den erwarteten Erlöser als »Sonne der Gerechtigkeit« (Mal 3,20).“

Verbunden in kulturellen Traditionen, die zugleich Machtverhältnisse stabilisieren, tun wir das, was wir gelernt haben.

Karl Marx schrieb in der Einleitung Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie folgendes:

„Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muß gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Die Theorie ist fähig, die Massen zu ergreifen, sobald sie ad hominem |am Menschen| demonstriert, und sie demonstriert ad hominem, sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst. Der evidente Beweis für den Radikalismus der deutschen Theorie, also für ihre praktische Energie, ist ihr Ausgang von der entschiedenen positiven Aufhebung der Religion. Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Verhältnisse, die man nicht besser schildern kann als durch den Ausruf eines Franzosen bei einer projektierten Hundesteuer: Arme Hunde! Man will euch wie Menschen behandeln! “

Das ist radikal gedacht und aufgeschrieben.

Radix ist ein lateinisches Wort und bedeutet Wurzel.

Radikal bedeutet von der Wurzel bzw. vom Ursprung her.

Radikal hat mit Extrem nichts zu tun. Von der Wurzel her und bis zum äußersten Gehen sind sehr verschieden.

Das Wort Radikal ist in Deutschland zudem immer noch ein politisch besetzter Begriff, obwohl sich dies inhaltlich alles relativiert, je mehr sich dieses Wort internationalisiert wie das Buch Rules for Radicals beispielhaft zeigt.

Man sollte auch radikal und ideal nicht verwechseln und zuallererst die Realität sehen.

Denn nachdem z.B. die Gedanken von Karl Marx die Bücher verlassen hatten und Instrumente der Politik wurden, entstand in seinem Namen ebenso viel Unheil wie im Namen von Adam Smith, der den Egoismus des Einzelnen zum Wohle aller auf dem Markt als Wunder des Kapitalismus darstellte.

Denken reicht nicht, ist aber die Voraussetzung, um die Interessen und die Mechanismen von Herrschaft und Macht, Regierenden und Herrschenden zu sehen

So entstand neben dem Sozialismus der (Neo-)Liberalismus (auch Kapitalismus genannt). Beide Ideologien haben den Humanismus abgeschafft und Demokratie neu gefüllt wie schon früher, indem sie soziale Sicherheit und bürgerliche Freiheitsrechte je nach Interessenlage abschafften, obwohl der Erfolg der Demokratie gerade in der Einführung und Umsetzung von sozialer Sicherheit als Voraussetzung für die gleichberechtigte Nutzung der bürgerlichen Freiheitsrechte auf Augenhöhe von arm und reich liegt, wenn man Demokratie ernst meint.

Es ist heute so wie damals: „Die Bedeutung von demokratia veränderte sich allmählich von „Volksherrschaft“ – Herrschaft der Bürger ohne Berücksichtigung von Vermögen und Herkunft, hin zu „Volkssouveränität“ – Souveränität der Bürgerschaft in erster Linie gegenüber externen Interventionen. Diese semantische Verschiebung erlaubte es, dass selbst Städte, in denen viele Bürger von politischen Ämtern, politischer Teilhabe und politischen Initiativen ausgeschlossen wurden, als demokratiai angesprochen wurden.“

Denn die Abschaffung der sozialen Sicherheit für fleissige Menschen in Deutschland, die arbeitslos werden und die Einführung der Armut durch die Politik der letzten 20 Jahre zeigt, daß die Herrschenden und Regierenden andere Interessen haben.

In allen anderen Ländern um uns herum hat man den Jungen die Angst vor dem Alter genommen. In Deutschland hat man die Angst vor dem Alter durch Armut bewußt wieder eingeführt und es gibt kein Entrinnen, wenn man nicht zu den wenigen Reichen gehört oder beamtet ist.

Deutschland wird wieder zu einem Land der Pfründe und Clans wie damals, was man an den ungeheuren Forderungen der Hohenzollern aktuell ebenso sieht wie an anderer Stelle.

Nach dem 21.12. werden die Tage wieder länger.

Es gibt mehr Licht.

Was liegt da näher als mit Licht zu malen, also zu fotografieren.

Weihnachten ist also der richtige Zeitpunkt, um sich zu fragen, was will ich zukünftig mit Licht malen. Will ich fotografisch meinen Beitrag zur Sonne der Gerechtigkeit leisten?

Dann wäre die Zeit gekommen für radikale Fotografie, also eine Fotografie, die zeigt, was ist.

Das Sehen und die Anerkennung der Realität ist die Grundlage jeder Veränderung.

Fotografie ist dazu ein gutes Mittel.